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Für Babys und Kleinkinder ist der Schnuller ein treuer Begleiter, denn er hilft (aufgrund der, durch das Saugen ausgelösten, Hormonkaskaden) beim Einschlafen und Beruhigen und kann sogar schmerzlindernd wirken. Deswegen ist er auch für viele Eltern gerade in den ersten Monaten Gold wert und eine echte Entlastung. Das Problem dabei? Der geliebte Nuckel wird schnell zum Selbstregulationsmechanismus deines Kindes und wenn es Zeit ist, sich vom Schnuller  zu trennen, kann das für dein Kind (und dich) eine große Herausforderung darstellen.

Dabei gibt es in der Gesellschaft viele verschiedene Herangehensweisen, um den Schnuller zu entwöhnen. Die wohl gängigsten sind die “Hau-Ruck-Aktionen”, wie die Schnullerfee, das Schnuller “verlieren” oder das Schnuller abschneiden. Diese Herangehensweisen sind dadurch charakterisiert, dass sie schnell vonstatten gehen und deinem Kind keine Verarbeitungszeit ermöglichen – Augen zu und durch.  Sie nutzen die Naivität des Kindes aus und geben ihm keine Zeit der schrittweisen Verarbeitung und sind zum Teil stark manipulative Methoden. Das Kind freut sich auf die Fee und kann die Tragweite seiner “Zustimmung” kognitiv überhaupt noch nicht erfassen.

Wenn du Hau-Ruck-Aktionen, Kummer und Tränen beim Abschied vom Schnuller vermeiden und diesen Prozess gemeinsam mit deinem Kind als Team meistern möchtest, lies weiter. 

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du auch ohne Schnullerfee, “Tausch-Geschäfte” (Schnuller gegen Dreirad), o.ä. erfolgreich die Schnullerabgewöhnung meisterst und geben dir Impulse, damit du mit einer sicheren inneren Haltung und einem sanften Etappenplan deinem Kind Verarbeitungszeit für die Veränderung einräumst und seine Gefühle im Prozess auffangen und begleiten kannst. 

Gibt es eine selbstbestimmte Schnullerentwöhnung?

In unserer Gesellschaft ist es gängig, abzustillen und das Kind von anderen Saugalternativen – wie dem Schnuller – abzugewöhnen. Falls du dir die Frage stellst, ob es nicht auch möglich ist, dass dein Kind sich selbstbestimmt abstillt bzw. vom Schnuller entwöhnt, lass uns einen kurzen Blick auf das Thema selbstbestimmte Schnullerentwöhnung werfen.

Selbstbestimmung ist etwas Großartiges. So erlebt sich dein Kind in seinem Sein, Können und Tun. Allerdings sollte die Selbstbestimmung bei Kindern dann aufhören, wenn du deine Funktion als (Be)Schützerin einnehmen darfst oder deine eigenen Bedürfnisse mit einbeziehst.

Viele Kinder werden sich zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr von alleine abstillen. Du als Mutter kannst jedoch auch früher erspüren, dass du die Stillbeziehung verändern oder beenden möchtest und den Ablöseprozess anstoßen.

Eine selbstbestimmte Schnullerentwöhnung ist (eingeschränkt) ebenfalls möglich. Sie würde jedoch bei einem Großteil der Kinder eher später passieren. Deswegen darfst du in Bezug auf die Gesundheit deines Kindes einen sicheren Rahmen schaffen und dein Kind diesbezüglich in seiner Selbstbestimmung einschränken.

Wieso “muss” der Schnuller überhaupt weg?

Auf lange Sicht KANN das Schnullern zu gesundheitlichen Problemen führen. Zwar sehen Zahnärzte und Logopäden im Schnullern erst einmal keinen Nachteil fürs Baby, legen Eltern aber gleichzeitig ans Herz (im Idealfall) die Entwöhnung vom Schnuller innerhalb des ersten Lebensjahres durchzuführen. 

Spätestens ab dem zweiten Lebensjahr – wenn das Milchzahngebiss ausgebildet ist – wird geraten, den Schnuller langsam aber sicher abzugewöhnen, um langfristige Zahn- oder Kieferfehlstellungen (wie z.B. offenen Biss oder einen seitlichen Kreuzbiss) zu vermeiden.  Längerfristiges und starkes Schnullern kann zudem langfristig zu Sprachschwierigkeiten, wie dem Lispeln führen, sowie zu einer vermehrten Mundatmung, die das Risiko von Mittelohrentzündungen erhöht. Der dauerhafte Schnullergebrauch hat somit also diverse Nachteile, besonders bei einem heranwachsendem Kind.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Schnullerentwöhnung?

Wenn du darüber nachdenkst, den Ablöse- und Entwöhnungsprozess anzugehen, stellst du dir sicher die große Frage: WANN ist der richtige Zeitpunkt?

Eine Pauschalaussage lässt sich dazu nicht treffen, das ist ganz von eurer individuellen Situation abhängig.  Allerdings ist allgemein bekannt, dass eine Schnullerentwöhnung bis zum 6. Lebensmonat des Kindes relativ leicht vonstatten geht. Besonders, wenn der Schnuller achtsam eingesetzt wurde. Denn dein Kind hat bis dahin noch keinen wirklichen persönlichen Bezug zum Schnuller hergestellt – dieser entwickelt sich erst mit der Zeit. Ab etwa dem 6. Lebensmonat nimmt zudem der Saugreflex ab und im Gegenzug steigt das Kaubedürfnis. Dennoch ist es so, dass das Saugen für viele Kinder noch lange nachdem das Kauen begonnen wurde, ein großes Bedürfnis vieler Kinder bleibt, sodass viele Eltern nicht darüber nachdenken, im ersten Lebensjahr den Schnuller abzugewöhnen. 

Bei einigen (nicht allen) Kindern gibt es Zeiten, in denen weniger Interesse am Schnuller gezeigt wird. Dies ist eine gute Zeit, um mit dem Prozess zu beginnen. In den meisten Fällen aber, insbesondere wenn das Kind bereits 2 oder 3 Jahre alt ist, ist das Schnullern so zur Routine geworden, dass es diese Zeiten praktisch nicht gibt und du wirst den Prozess manuell initiieren dürfen.

Allerdings gibt es einige Situationen, in denen du NICHT mit dem Ablöseprozess beginnen solltest: Veränderungssituationen im Außen.

Die Schnullerentwöhnung sollte nicht angefangen werden, wenn bereits eine Sondersituation gegeben ist, in der sich für dein Kind viel verändert, wie z.B. die Geburt eines Geschwisterchens, die Eingewöhnung in der Kita oder dem Kindergarten oder der Umzug in ein neues Zuhause.

Bedenke dabei : Was für uns Erwachsene als lapidar und keine nennenswerte Hürde wirkt, kann dein Kind ganz anders empfinden. Versuche dich also vorab in dein Kind hineinzuversetzen und alle umgebenden Faktoren zu berücksichtigen.

Die zusätzliche Veränderung durch den Ablöseprozess könnte dein Kind sehr überfordern und den Prozess erheblich erschweren. Deswegen warte in solchen Situationen lieber ab, bis die Veränderung verarbeitet ist und dein Kind – kognitiv wie emotional – Raum für eine weitere Veränderung hat und beginne dann mit dem ersten Schritt der sanften Schnullerentwöhnung.

Die Sanfte Schnullerentwöhnung: Eine Alternative zu gängigen Methoden

Es gibt nicht den einen Weg der Schnullerentwöhnung. Viele Eltern glauben, dass der Schnuller zu 100 % entwöhnt werden müsste, sodass ihr Kind komplett schnullerfrei ist.

Es geht jedoch nicht um das Ziel, 100 % schnullerfrei zu sein, sondern vielmehr darum, euren individuellen Weg zu finden, der auf Dich und Dein Kind abgestimmt ist. So könnte es sein, dass ihr zunächst einmal “nur” das Schnullerbild verändert und es nicht zu einer vollständigen Schnullerentwöhnung kommt. Weil du vielleicht den Wunsch hast, dass der letzte Schritt (die 100% Schnullerfreiheit) selbstbestimmt von Deinem Kind getätigt wird oder dass du damit einfach noch warten möchtest. 

Aber was genau bedeutet es denn eigentlich “das Schnullerbild” zu verändern? Das  Schnullerbild beschreibt das konkrete derzeitige Schnullerverhalten (den Ist-Zustand) deines Kindes. Du darfst für dich ganz individuell festlegen, was der “Soll-Zustand” sein darf. Dieser muss – wie oben erwähnt – nicht automatisch die völlige Schnullerfreiheit bedeuten. Du entscheidest über die einzelnen Etappen der Schnullerbild-Veränderung unter Berücksichtigung eurer individuellen Situation. Denn bei der sanften Schnullerentwöhnung geht es darum, dass du und dein Kind im Fokus des gesamten Prozesses stehen.

Tipp: Verfolge nicht gleich das Ziel, den Schnuller 100 % zu entwöhnen, komme was wolle. Wenn Dein Kind am Abend noch ein paar Minuten schnullert, weil das bleiben “muss”, dann ist dies nicht weniger “gut” als die 100 % Schnullerentwöhnung.

Was braucht es für eine sanfte Schnullerentwöhnung?

Damit die sanfte Schnullerentwöhnung erfolgreich gelingt, gibt es 5 wichtige Faktoren, die du (bei jedem Ablösungsprozess) beachten solltest:

Ein individueller Etappenplan

Sich von seinem geliebten Nuckel zu trennen, ist für dein Kind eine große Veränderung, die Orientierung und Sicherheit benötigt. Diese kannst Du Deinem Kind erst dann schenken, wenn Du Dich selbst sicher fühlst und genau weißt, wie dieser Prozess abläuft. Erstelle dir deswegen einen individuellen Etappenplan und entscheide, ob der Soll-Zustand eine vollständige Schnullerentwöhnung oder zunächst nur eine Anpassung des Schnullerbildes ist.

Merke: Für Dein Kind ist nicht die Veränderung an sich das Problem, sondern ob es im Prozess begleitet und liebevoll durch diese “kleine Krise” hindurch geführt wird – sicher, orientiert und gehalten.

Zeit und Vertrauen für die sanfte Schnullerabgewöhnung

Wenn du dich gegen eine Hau-Ruck-Aktion entscheidest, wird die Schnullerentwöhnung länger dauern. Du befindest dich dann mit deinem Kind im Prozess und es ist in erster Linie nicht von Bedeutung, wie schnell oder langsam ihr eine Etappe nach der nächsten geht. Du darfst in dich, dein Kind und den Etappenplan vertrauen. Dieses Vertrauen wird auch dein Kind spüren und stärken.

Eine sichere innere Haltung

Deine innere Einstellung zum Prozess ist erfolgsentscheidend, denn dein Kind erspürt Deinen emotionalen Zustand. Solltest du dich also unsicher fühlen, wird dein Kind dies sofort wahrnehmen und der Ablöseprozess wird sich sehr viel schwieriger gestalten. Deine eigenen Unsicherheiten in Bezug auf die Abgewöhnung vom Schnuller zu kennen ist sehr wichtig, damit du dir individuelle Hilfestellungen entwicklen und so im Prozess stets der Fels in der Brandung für dein Kind sein kannst.

Kein Druck von Außen

Elternschaft und alles, was damit zusammenhängt, wird oft im Außen bewertet. Es ist wichtig, dass Du merkst, wann Du etwas tust, nur weil die Anderen es für “richtig” empfinden. Denn so kann viel Druck entstehen, der Dich dazu bringen kann, den Fokus auf dich und dein Kind zu verlieren. Das erschwert den Entwöhnungsprozess und führt häufig zu Hau-Ruck-Aktionen.

Merke: Für Dein Kind ist nicht die Veränderung an sich das Problem, sondern ob es im Prozess begleitet und liebevoll durch diese “kleine Krise” hindurch geführt wird – sicher, orientiert und gehalten.

Die Begleitung der großen Gefühle deines Kindes

Der wichtigste der 5 Faktoren ist die Begleitung der Gefühlswelt deines Kindes im Prozess. Sie ist essentiell für den Erfolg. Durch die Entwöhnung des Schnullers, ist dein Kind mit vielen Emotionen konfrontiert, die deine Begleitung benötigen. Es ist wichtig, dass du dich auf die Trauer und/oder Wut deines Kindes einstellst und dass du ganz genau weißt, wie du diese begleiten kannst und dabei selbst in der Ruhe und Sicherheit bleibst. Denn Wut, Trauer und Frust sind kostbare Emotionen, mit denen Dein Kind sich ausdrückt. Diese Emotionen zu durchfühlen, ist essentiell für den Ablöseprozess.

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Den Ablöseprozess erfolgreich begleiten

Wenn dein Kind sich von etwas löst, zu dem es eine Bindung hat, kann dies zu Trauer führen. Diese Trauer ist berechtigt und sollte nicht negiert oder klein geredet werden. “Du musst doch nicht traurig sein” oder “Du bist doch schon groß” sind fehl am Platz. Versuche es stattdessen mit einem “Du bist traurig”, das verstehe ich. Ich bin da für Dich.” 

Es ist wichtig, dass Du Dich sicher in der Begleitung fühlst, da du dein Kind sonst nicht liebevoll durch den Prozess der sanften Schnullerentwöhnung führen kannst, wenn du mit Gefühlen wie Trauer und Frust konfrontiert wirst. Durch deine Zweifel an den verschiedenen Etappen wird sich der gesamte Prozess verzögern und erschweren. Wenn du für dich realisierst, dass es für dein Kind notwendig ist, durch alle Gefühle zu gehen – dass es die gesamte Gefühlspalette entdecken und erleben darf – wird es dir leichter fallen, seine Gefühle zu begleiten und nicht verhindern zu wollen und die sanfte Schnullerentwöhnung wird ein Erfolg.

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